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Urteil in Frankfurt: Apple darf Smartwatch nicht als klimaneutral bewerben

Apple verliert vor deutschem Gericht: Apple Watch doch nicht CO₂-neutral?

Apple hat in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, um sich als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit zu positionieren. Doch ein aktuelles Urteil aus Frankfurt am Main stellt genau diese Strategie infrage. Das Landgericht entschied, dass die Bezeichnung „carbon neutral“ (CO₂-neutral) für bestimmte Modelle der Apple Watch irreführend sei – ein schwerer Schlag für Apples Umweltkommunikation.

Apples Weg zur Klimaneutralität – und die Kontroverse

Apple wirbt seit 2023 damit, dass die Apple Watch Series 9 zu den ersten Produkten gehört, die klimaneutral hergestellt werden. Hinter dieser Aussage steckt ein Maßnahmenmix aus Recycling, erneuerbarer Energie und CO₂-Kompensationsprojekten – darunter eine Eukalyptus-Aufforstung in Paraguay.

Kritische Stimmen, insbesondere von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), warfen Apple jedoch vor, mit unklaren Versprechen zu arbeiten. Das Hauptproblem: große Teile des Landes in Paraguay sind nur bis 2029 an Apple verpachtet. Was danach passiert, ist ungewiss – und genau hier setzt das Frankfurter Gericht an.

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Warum das Gericht Apple widerspricht

Die Richter stellten klar, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um von echter CO₂-Neutralität zu sprechen.

  • Befristete Aufforstung: Ohne Garantie über 2029 hinaus sei die Wirksamkeit des Projekts fraglich.
  • Unsichere Zukunft: Niemand könne sicherstellen, dass die gepflanzten Bäume langfristig bestehen bleiben.
  • Täuschung der Kunden: Verbraucher könnten fälschlicherweise annehmen, das Produkt sei komplett emissionsfrei produziert.

Juergen Resch, Geschäftsführer der DUH, sprach von einer „Täuschung der Verbraucher“ und bezeichnete die Kompensationsstrategie als wirkungslos.

Apples Reaktion auf das Urteil

Apple sieht die Sache ganz anders. Ein Sprecher betonte gegenüber AppleInsider, dass man die Vorwürfe nicht teile. Man arbeite streng nach internationalen Standards und die Kombination aus Emissionsreduktion und CO₂-Entnahme sei wissenschaftlich anerkannt. Außerdem wolle Apple weiterhin bis 2030 sämtliche Produkte klimaneutral machen.

Dass Apple gegen das Urteil Berufung einlegen wird, gilt als sehr wahrscheinlich – auch wenn eine offizielle Ankündigung bislang fehlt.

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Warum dieses Urteil mehr als nur Apple betrifft

Dieses Verfahren hat Signalwirkung. Es zeigt, dass Unternehmen bei Klimaversprechen immer genauer überprüft werden. Gerade in Europa wird das Thema Greenwashing zunehmend strenger reguliert. Mit der geplanten EU-Richtlinie zu „Green Claims“ sollen Firmen künftig detailliert belegen müssen, wie nachhaltig ihre Produkte tatsächlich sind.

Für Verbraucher bedeutet das mehr Transparenz – und für Unternehmen den Zwang, glaubwürdigere Lösungen zu finden.

Meine Meinung

Ich muss zugeben: Einerseits finde ich es beeindruckend, wie konsequent Apple versucht, seine Lieferketten nachhaltiger zu gestalten. Andererseits bleibt bei mir ein gewisses Unbehagen, wenn es um CO₂-Kompensation geht. Bäume pflanzen ist wichtig, aber es löst nicht automatisch das Grundproblem.

Das Urteil könnte also ein wichtiger Weckruf sein – nicht nur für Apple, sondern für die gesamte Branche. Nachhaltigkeit darf kein Marketing-Schlagwort sein, sondern muss langfristig belegbar sein.

Klimaversprechen müssen nachhaltig sein

Das Frankfurter Urteil zwingt Apple, seine Umweltkommunikation zu überdenken. Während der Konzern weiter auf das Ziel 2030 hinarbeitet, zeigt der Fall deutlich, dass Verbraucher und Gerichte in Europa keine schwammigen Klimaversprechen mehr akzeptieren. Für die Tech-Welt ist dies ein klares Zeichen: Nur wer transparent und ehrlich kommuniziert, behält am Ende Glaubwürdigkeit.

Quelle: Reuters

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